Wirksame Kommunikationsmodelle für Führungskräfte

25. Nov. 2025 | Rita Nerbe-Marx

Praxisbeispiele für Führungskräfte: Gewaltfreie Kommunikation (GFK), 3-W-Modell, Hart in der Sache, weich zum Menschen.

Gewaltfreie Kommunikation (GFK)

Herkunft: Marshall B. Rosenberg, Psychologe und Mediator (USA)

Wirkungsschwerpunkt: Klarheit, Empathie, konstruktives Miteinander

Grundstruktur der GFK:

  • Beobachtung – Was ist konkret passiert?
  • Gefühl – Wie wirkt es auf mich?
  • Bedürfnis – Was brauche ich?
  • Bitte – Welchen nächsten Schritt schlage ich vor?


Praxisbeispiele für Führungskräfte

Situation:
Ein Teammitglied kommt wiederholt zu spät zu Meetings.

GFK-Formulierung:

  • Beobachtung: „Mir ist aufgefallen, dass du in den letzten drei Meetings etwa zehn Minuten später eingestiegen bist.“
  • Gefühl: „Das verunsichert mich in meiner Planung.“
  • Bedürfnis: „Ich brauche Verlässlichkeit, damit wir gemeinsam gut starten können.“
  • Bitte: „Können wir vereinbaren, dass du künftig pünktlich dabei bist?“

Situation:
Eine Mitarbeiterin wirkt in Besprechungen zunehmend zurückgezogen.

GFK-Formulierung:
„Ich habe bemerkt, dass du dich in den letzten Meetings eher zurückgehalten hast. Ich mache mir Gedanken, weil mir Austausch im Team wichtig ist. Ich möchte gern verstehen, was du brauchst, um dich gut einbringen zu können.“

3-W-Modell für Feedback

Herkunft: In der Kommunikationspsychologie verbreitetes Strukturmodell, u. a. siehe Schulz von Thun (Feedbackprinzipien) und moderne Führungsdidaktik

Wirkungsschwerpunkt: Präzises, klares, lösungsorientiertes Feedback

Die drei Schritte:

  • Wahrnehmung
  • Wirkung
  • Wunsch

Praxisbeispiele für Führungskräfte

Situation:
Ein Kollege liefert wichtige Informationen zu spät.

3-W-Formulierung:

  • Wahrnehmung: „Ich habe gesehen, dass die Unterlagen erst gestern Abend kamen.“
  • Wirkung: „Dadurch konnte ich die Präsentation nicht mehr sauber vorbereiten.“
  • Wunsch: „Ich wünsche mir, dass wir Deadlines künftig verbindlich einhalten. Warum es wirkt?“
  • Situation: Sehr gute Leistung soll verstärkt werden.

Situation:
Sehr gute Leistung soll verstärkt werden.

3-W-Formulierung:
„Mir ist aufgefallen, wie klar und strukturiert du das Kundengespräch geführt hast. Das hat das ganze Team entlastet. Ich wünsche mir, dass du diese Stärke auch in den kommenden Workshops einbringst.“

Hart in der Sache, weich zum Menschen

Herkunft: Grundprinzip professioneller Gesprächsführung, bekannt aus dem Harvard-Konzept (Fisher/Ury) sowie aus systemischer Führung und Konfliktkommunikation.

Wirkungsschwerpunkt: Sachliche Klarheit, menschliche Beziehungssicherheit

Grundidee:

Hart in der Sache = klar, konsequent, eindeutig, verantwortlich
Weich zum Menschen = respektvoll, wertschätzend, zugewandt, beziehungsorientiert

Praxisbeispiele für Führungskräfte

Situation:
Ein Teammitglied liefert fachlich nicht die erwartete Qualität.

Formulierung im Sinne des Prinzips:
„Inhaltlich müssen wir an zwei Punkten deutlich nachschärfen – die Argumentation ist nicht tragfähig genug. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass du weißt: Ich sehe deinen Einsatz und unterstütze dich gern dabei, die nächsten Schritte gut vorzubereiten.“

Situation:
Eine Entscheidung ist gefallen und stößt auf Widerstand.

Formulierung:
„Die Entscheidung steht fest – und dazu stehe ich klar. Gleichzeitig möchte ich verstehen, was deine Bedenken sind, damit wir gut gemeinsam weiterarbeiten können.“

Situation:
Es gibt einen Konflikt zwischen zwei Teammitgliedern.

Formulierung:
„Die Sachebene müssen wir klar klären – Aufgaben, Zuständigkeiten, Abläufe. Und gleichzeitig möchte ich, dass wir respektvoll und fair miteinander umgehen, damit wir als Team wieder arbeitsfähig werden.“

Wann setze ich welches Modell ein?

  • GFK: wenn es emotional wird, bei Konflikten, heiklem Feedback, Verletzungen, Spannungen
  • 3-W-Modell: für schnelles, klares, alltagstaugliches Feedback – sowohl positiv als auch kritisch
  • Hart in der Sache – weich zum Menschen: bei schwierigen Entscheidungen, Konflikten, Grenzziehung, Verantwortungsbeginn

Fazit für die Führungspraxis

Diese drei Modelle schaffen:

  • Klarheit in der Sache
  • Stabilität in der Beziehung
  • Verbindlichkeit im Ergebnis

Sie wirken besonders stark, wenn sie kombiniert, authentisch und situativ passend eingesetzt werden – und wenn Führungskräfte mit echter Haltung kommunizieren, nicht nur mit Technik.

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25. Nov. 2025 | Rita Nerbe-Marx

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