Konflikte lösen sich nicht von selbst.
28. Nov. 2025 | Rita Nerbe-Marx
Führungskräfte, die sich früh Zeit für klare Gespräche und echten Kontakt nehmen, sparen Energie, stärken ihr Team und vermeiden hohe Konfliktkosten – wie Studien von KPMG zeigen. Wer hingegen wegschaut, zahlt am Ende doppelt: menschlich und wirtschaftlich.
Zeit als Führungskraft – wofür ich sie mir nehmen sollte … und wofür nicht
In der Rolle als Führungskraft ist Zeit einer der wertvollsten Ressourcen. Wie ich diese einsetze, entscheidet maßgeblich darüber, wie wirksam, menschlich und souverän meine Führung wirkt. Es gibt Aufgaben, die ich als Führungskraft unbedingt jetzt angehen sollte – und andere, die ich bewusst herauslösen oder delegieren kann, um Raum für das Wesentliche zu schaffen.
Wofür ich mir Zeit nehmen sollte:
- Für Gespräche mit Mitarbeitenden: vertraulich, wertschätzend, orientiert auf Entwicklung und Beziehung.
- Für Konfliktgespräche und Spannungen im Team – so früh wie möglich, bevor Reibungen tiefgreifend werden.
- Für Reflexion meiner eigenen Haltung, Rolle und Wirkung – insbesondere in unübersichtlichen Situationen.
- Für verbindliche Nachverfolgung von Ergebnissen und das Einlösen von getroffenen Vereinbarungen.
- Für die Stärkung von Beziehung und Verbundenheit im Team: gemeinsam Werte leben, Co-Kreation ermöglichen, echten Kontakt herstellen.
Wofür ich mir weniger Zeit nehmen sollte:
- Für das Aufschieben schwieriger Gespräche – „es wird schon vorbeigehen“.
- Für endlose Meetings ohne Ziel und Entscheidung.
- Für Mikromanagement oder Aufgaben, die delegierbar sind.
- Für Routinearbeiten, die automatisiert oder an andere übertragen werden können.
- Für das Unterlassen oder Verdrängen von Spannungen – gerade bei Konflikten kann das teuer werden.
Warum gerade Konflikte früh angegangen werden müssen?
Wer Konflikte ignoriert oder verschiebt, riskiert erhebliche Folgen – sozial wie ökonomisch. Die KPMG-Konfliktkostenstudie zeigt eindrücklich: Bereits in Betrieben mit weniger als 1.000 Mitarbeitenden können ungelöste Konflikte Kosten von bis zu 500.000 Euro jährlich verursachen. BGM TOOLS+2Christiane Huismans+2
Weitere zentrale Daten:
- In einem durchschnittlichen Unternehmen gehen 10–15 % der Arbeitszeit für Konfliktbewältigung verloren. andrea-von-graszouw.de+1
- Führungskräfte verbringen laut Studie 30–50 % ihrer wöchentlichen Arbeitszeit mit direkten oder indirekten Konfliktfolgen. Agileus Consulting+1
- Unternehmen mit etabliertem Konfliktmanagement können bis zu 25 % der Konflikt- bzw. Reibungskosten einsparen. Deutsche Nationalbibliothek+1
Worauf sich diese Kosten zurückführen lassen:
- Verzögerte Projekte, Fehlleistungen, verlorene Chancen
- Krankheits- und Fehlzeiten, Fluktuation
- Innere Kündigung, sinkende Motivation und Zusammenarbeit
- Organisations-, Team- und Führungsschwächen
Je länger ein Konflikt unbehandelt bleibt, desto höher sind die Folgekosten – und desto schwieriger wird eine wirksame Lösung.
Was Führung bedeutet, wenn ich mir frühzeitig Zeit nehme?
Wenn ich als Führungskraft bewusst Priorität darauf lege, Konflikte früh zu erkennen und anzusprechen, entsteht ein völlig anderer Führungs- und Arbeitskontext. Ich wirke nicht nur reaktiv, sondern proaktiv. Im Ergebnis entsteht:
- Vertrauen: Mitarbeitende spüren, dass ich Konflikte ernst nehme und Beziehung gestalte.
- Effizienz: Zeit, Energie und Ressourcen bleiben frei für Gestaltung und Leistung – statt für „Feuerwehreinsätze“.
- Verbindlichkeit: Vereinbarungen werden gemacht und gehalten – nicht verschoben oder vergessen.
- Entwicklung: Gemeinsame Arbeit an Themen stärkt Co-Kreation, Teamkultur und Innovationsfähigkeit.
- Wirtschaftlichkeit: Da Konfliktkosten messbar sind, zahlt sich frühzeitiges Handeln auch ökonomisch aus.
Fazit: Der Wendepunkt liegt im bewussten Handeln
Als Führungskraft stehe ich vor der Wahl: reagieren oder gestalten. Wer Konflikte analysiert, früh angeht und die soziale Dimension in der Führung ernst nimmt, schafft nicht nur bessere Ergebnisse – sondern führt wirksam, menschlich und souverän. Das verlorene Potenzial durch verdrängte Konflikte ist signifikant – und es liegt in meiner Verantwortung, dem Zeit und Raum zu geben.
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28. Nov. 2025 | Rita Nerbe-Marx